Rückblick

Hier finden Sie Berichte vergangener Wanderungen oder Veranstaltungen

 


 

Jahresrückblick 2022

 

Gestern – Heute – Morgen

OWK Nieder-Ramstadt begeht 100-jähriges Bestehen

 

Es begann am 13. Mai 1922: In der damaligen Gaststätte Rossmann in der Dornwegshöhstraße in Nieder-Ramstadt trafen sich 15 Herren zur Gründung einer Ortsgruppe des Odenwaldklubs . Man wollte der Bevölkerung die Schönheiten des Odenwalds näher bringen und sie für das Wandern in der Gemeinschaft begeistern. Dieser Gedanke gelang auf Anhieb. Zum Jahresende hatte die Ortsgruppe 35 Mitglieder und Ende 1925 wurden bereits über 100 Mitglieder gezählt.

Peter Jährling wurde zum Vorsitzenden gewählt und blieb dies bis 1935. Ab 1936 stand Jakob Leißler an der Spitze der Wanderfreunde. Das Jahr 1940 beendete dann abrupt jegliche Wandertätigkeit und brachte schließlich das gesamte Vereinsleben zum Erliegen. Die Neugründung des Vereins erfolgte erst wieder im Januar 1951 im „Darmstädter Hof“ bei Gastwirt Faber. Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder den Lehrer Jakob Ohl, der bis 1962 im Amt blieb. Ein Wanderfreund ist seit 1951 Mitglied des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt: Hans-Arthur Walter. Im Folgejahr 1952 trat Manfred Groh der Ortsgruppe bei und gehört ihr ebenfalls noch  heute an. Diesen beiden langjährigen Mitgliedern wird bei der Jubiläumsfeier besonders gedacht werden. Schon heute sprechen wir ihnen die herzlichsten Glückwünsche und unseren Dank aus! Die Wanderungen wurden in der Regel in der näheren Umgebung durchgeführt. Die Teilnehmerzahl betrug meist um die 70 Personen, darunter zahlreiche Kinder. Bei örtlichen Veranstaltungen oder beim Odenwälder Wandertag wurde stets eine große gebackene Brezel als Hinweis auf Nieder-Ramstadt als Bäcker-und Mühlendorf der Gruppe vorangetragen. Dieses Backwerk wurde nach Beendigung des Umzugs angeschnitten und an Anwesende verteilt. Nicht nur Kinder waren davon begeistert! Zu den sonntäglichen Wanderungen kamen Mehrtagesfahrten sowie eine Erweiterung des Wandergebietes auf Taunus, Rheingau, Spessart oder Pfalz. Auch in der Wochenmitte wurden jetzt Wanderungen durchgeführt. Klubabende und Besichtigungen ergänzten das Programm. Zum 50-jährigen Bestehen der Ortsgruppe wurde 1972 die Peter-Jährling-Ruhe auf dem Bonstal durch eine überdachte Schutzhütte erweitert. Die Anlage wurde seinerzeit von Mitgliedern der Ortsgruppe in Selbsthilfe erstellt. Maßgeblich daran beteiligt waren die Mitglieder Michael Groh, Otto Wirthmüller, Johannes Walter und Josef Ihle. Diese Anlage befindet sich an einer der schönsten Stelle unserer Gemarkung Nieder-Ramstadt. Man überblickt von hier aus nicht nur den gesamten Ort, sondern schaut auch nach Trautheim , auf den Lohberg und in die Rheinebene. Die Hütte wird von Mitgliedern ehrenamtlich betreut und erhalten. Heute ist sie ein beliebter Ruheplatz und Aussichtspunkt und wird gern von Wanderern aus allen Richtungen aufgesucht. Es wird somit dieses Jahr nicht nur das 100-jährige Bestehen der OWK-Ortsgruppe Nieder-Ramstadt gefeiert, sondern auch das 50-jährige Bestehen der Peter-Jährling-Schutzhütte. Da Wandern im Trend liegt, ist uns um die Zukunft nicht bange: sie beginnt ja erst morgen!


 

30. Januar 2022

 

Nichts wie raus!

OWK Nieder-Ramstadt wandert durch die Mönchbruchwiesen

 

Die zweite Wanderung im Januar führte 24 Personen ins Naturschutzgebiet Mönchbruch an der B486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Ausgangspunkt war das Jagdschloss Mönchbruch, das im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts unter dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt erbaut wurde. Heute fungiert es als Hotel und Informationscenter. Ernst Ludwig war ein begeisterter Jäger, der bereits 1708 in Darmstadt die Parforcejagd nach dem Vorbild der französischen Fürsten eingeführt hatte. Das Wald- und Sumpfgebiet der umgebenden Mönchbruchwiesen wurde vom Jagdschloss aus sternförmig durch Schneisen erschlossen und war somit ein ideales Gelände für das Jagdreiten auf Wild. Heute sind die Mönchbruchwiesen nach dem Kühkopf das zweitgrößte Naturschutzgebiet in Hessen. Es gilt als Eldorado für seltene Pflanzen und Vogelarten. Am Mönchbruchweiher, dem ersten Anlaufpunkt der Wanderer, tummelten sich nicht nur Enten und Schwäne, sondern auch ein stattliches Exemplar von Nutria, auch als Bisamratte bekannt. Über die Achtstaudenschneise ging es dann bis zur Kreuzung Höfgenschneise zu einer Info-Tafel. Hier wurden die Vorbeigehenden darauf hingewiesen, dass FFH nicht nur ein Radiosender ist, sondern auch für Flora, Fauna und Habitat steht. Die Wanderführerin erläuterte auch das Vorkommen der Flatterulme, die nur in Feuchtgebieten wächst. Bald lud der Lindensee zu einer kurzen Rast ein, bevor auf kleinen Pfaden, die rechts und links von Wassergräben gesäumt wurden, die alte Forsthütte am Sandgarten erreicht wurde. Ein gerade anwesender Forstwirt gab Informationen zum hiesigen FFH-Gebiet „Wald bei Groß-Gerau“. Nicht weit davon befindet sich die Waldhütte des Rüsselsheimer Odenwaldklubs, die aber leider geschlossen war. Über die Frankfurter Straße erreichte man bald die Mönchbruchallee, die zurück zum Ausgangspunkt führt. Trotz der erheblichen Lärmbelästigung durch den unmittelbar benachbarten Flughafen Frankfurt ist die Gegend dicht besiedelt von Damwild in großen Herden, das man beim  beim  Äsen beobachten konnte. Bei dieser Wanderung ist es wieder gelungen, die Mitwanderer für die Natur zu sensibilisieren, Ruhe vom Alltag zu finden und neue Kraft für die kommende Wochen zu tanken. Der Dank gilt einmal mehr dem Ehepaar Plößer als Organisatoren für hervorragende Vorbereitung und Durchführung dieser Naturschutzwanderung.


 

08. Februar 2022

 

Drachen – soweit das Auge reicht

OWK Nieder-Ramstadt besucht das Deutsche Drachenmuseum

 

Nach einem Rundgang um und auf die Burg Lindenfels begaben sich 16 Mitglieder des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt zunächst zum „Drachenfels“, einem großen Granitblock, der sich 2009 unerwartet vom Burgberg löste und ohne größeren Schaden anzurichten, im Kurgarten liegen blieb  -  ein naturnahes Exponat zu all den anderen Drachengebilden des Burgstädtchens. Im Bürgerturm neben der ev. Kirche wurden dann jahrhundertalte Drachendarstellungen aus aller Welt bewundert. Nur die sagenhafte Weitsicht über den Ort und die Odenwaldlandschaft blieb den Besuchern wegen dichten Nebels verwehrt. Über den sich anschließenden Drachengarten mit Drachendarstellungen und Drachentempel wurde dann das eigentliche Museum betreten. Es wurde 2010 eröffnet und zeigt den Besuchern, wie der Mythos von Drachen vor Jahren entstand und sich weltweit verbreitete. Bereits im Treppenhaus finden sich Städtewappen mit Drachenbildern aus ganz Europa. Die Drachen stehen als Zeichen der Stärke und Macht, oft zusammen mit dem „heiligen Georg“ als Drachentöter oder auch dem Erzengel Michael als Kämpfer gegen das Böse. Auch eine Faksimile-Ausgabe der ersten Fassung des „Nibelungenliedes“, in dem Siegfried den Drachen „Fafnir“ besiegt, ist zu bewundern. Zahlreiche Exponate aus Ostasien sind ausgestellt, da der Drache hier eine überwiegend positive Rolle spielt: er ist Sinnbild für Stärke und Glück, sowie Beschützer der Familie und des Hauses. Innenglasmalereien und Fantasiedrachen sind ebenso zu sehen wie eine künstlerisch gestaltete Elfenbeinskulptur und Drucke von Bildern großer Maler. Drachenmotive deutscher Porzellanmanufakturen, Drachen auf Briefmarken und Münzen, aus Glas, Keramik und Silber ergänzen die Sammlungen. Auch Drachenschiffe, Drachenbücher und ein Drachenzimmer mit Drachenhöhle für Kinder ergänzen die Sammlungen. Es ist wirklich erstaunlich, wie aus dem Mythos eines Fabelwesens, das es gar nicht gibt, ein ganzes Museum mit Exponaten bestückt werden kann und immer wieder die menschliche Fantasie beflügelt wird. Wir brauchen hier ja gar nicht weit zu gehen: bei uns am Frankenstein ist die Sage vom Ritter Georg und dem Lindwurm –eine kleinere Art des Drachens- weitgehend bekannt und im Ratssaal des Eberstädter Rathauses hängt das Originalgemälde von Franz Best: „Ritter Schorsch kämpft mit dem Lindwurm“. Auch dieses Bild ist im Drachenmuseum als Postkarte ausgestellt. Von den farbenfrohen Drachendarstellungen waren alle begeistert und dankten den Organisatoren für diese Veranstaltung.


 

20. Februar 2022

 

Von der Vergangenheit zur Geschichte

OWK Nieder-Ramstadt besichtigt Frankfurts neue Altstadt

 

Wandern kann man nicht nur durch Wälder und grüne Landschaften, sondern auch durch die Stadt. Ein solches Angebot, bei dem es weniger um die Entdeckung der Natur als um spannende kulturelle Orte geht, gab es bei einer Tour durch Frankfurts neue Mitte. Der Rundgang begann am Römerberg zwischen Minerva- und Gerechtigkeitsbrunnen mit Blick auf den Römer. Nach Erläuterungen zur Frankfurter Geschichte und zur bereits 1983 erfolgten Bebauung der Ostzeile am Römerberg führte der Weg Richtung Main zum Haus Wertheim. Dieses Haus hat als einziges Fachwerkhaus am 22.3.1944 die Zerstörung der Altstadt unversehrt überstanden.  Vorbei an der Kunsthalle Schirn, in der Ausstellungen aus allen Kunstepochen gezeigt werden, gelangten die die Besucher rasch in die neue Altstadt, die in den Jahren 2010 – 2018 mit ihren verwinkelten Gassen und malerischen Perspektiven entstanden ist. 35 Häuser, davon 15 originalgetreue Rekonstruktionen sowie 20 Neubauten bilden das lebendige neue Stadtviertel zwischen Dom und Römer. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf ca. 220 Millionen Euro. Rund 30 Geschäfte, Restaurants, Cafes und Museen bieten viel Platz zum Entspannen und Entdecken. Der qm-Preis der Immobilien liegt zwischen 5-7 Tausend Euro. Ein Gang durch die Altstadt erlaubt einen spannenden Blick in die Geschichte der Mainmetropole: Von den ersten römischen Siedlungsspuren in der Kaiserpfalz „franconofurd“ über das gotische Erdgeschoss des Hauses Esslinger mit dem Struwwelpeter-Museum, die detailreiche Renaissancefassade der „Goldenen Waage“  bis hin zu den Neubauten – auf wenigen Metern sind zahlreiche Epochen und Baustile zu entdecken. Beeindruckend sind  auch im Innenhof des „Goldenen Lämmchen“ die Laubengänge und Holzgalerien. Der Stoltze-Brunnen am Hühnermarkt erinnert an den Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze und dessen bekannten Ausspruch: „Es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ Auf dem Krönungsweg, dem historischen Weg zwischen Dom und Römer, schlenderten die Wanderer mit offenen Augen durch die neue Altstadt und entdeckten zahlreiche Spuren aus der lebendigen Geschichte Frankfurts. Auf eigene Faust beendeten die Odenwälder einen  erlebnisreichen Tag in einer nahe gelegenen Gaststätte bzw. Cafe  und dankten den Organisatoren für diesen wunderschönen Gang durch Frankfurt.

 


 

13. März 2022

 

Natur, Kultur und Wandern – Eins gehört zum andern

OWK Nieder-Ramstadt wandert zum Lichtenklinger Hof

 

Diese wunderschöne Wanderung begann am Bürgerhaus des Wald-Michelbacher Ortsteils Siedelsbrunn und führte zunächst zum Ursprung des Dorfes. Die Ersterwähnung von Siedelsbrunn im Jahre 1012 verweist wörtlich als „ad Sidilines brunnon“ auf eine Siedlung am Brunnen. Der im Ort liegende Dreiröhrenbrunnen ist quasi die Keimzelle des Ortes, der sich nach und nach um den Brunnen herum entwickelte. Von dort aus ging die Wanderung in eines der schönsten Täler des Odenwaldes, ins idyllische Eiterbachtal, das 1983 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Nach der hessisch-badischen Landesgrenze erreichten die OWK’ler bald die Lichtenklinger Kapelle, die in den Landkarten als „Lichtenklinger Hof“ bezeichnet wird und bis zur Reformation ein beliebter Wallfahrtsort war. Heute besteht die Lichtenklinger Kapelle nur noch aus ihren Grundmauern und einem Steinaltar. Gegenüber befindet sich der sogenannte Zwillingsbrunnen, der früher unfruchtbaren Frauen zu Kindersegen verhelfen sollte. Hier wurde gerastet und man stärkte sich für den kommenden Aufstieg. Der nun folgende Wege-Zickzack nach oben erinnerte manchen an einen alpinen Steig und wurde souverän „im ersten Gang“ bewältigt. Kurz unterhalb der Höhe erreichten die Wanderer einen eben verlaufenden Hangweg, der bald zu einer im Jahr 1905 errichteten 4,5 m langen steinernen Bank führte. Diese Bank ist ein schönes Beispiel für die zahlreichen Gebrauchsgegenstände, die früher im Odenwald aus dem relativ weichen Buntsandstein gefertigt wurden. Die hier einst wohl vorhandene Lichtung mit schönem Weitblick ist zwischenzeitlich ziemlich zugewachsen, so dass nur noch eine geringe Sicht ins Eiterbachtal gegeben ist. Nun folgte nochmals ein längerer Anstieg auf die Stiefelhöhe, deren Höhe auf einem Sandsteinblock mit 589 m angegeben ist. Vorbei an alten Hutebuchen gelangten die Wanderer bald an die „10-Wege-Kreuzung“ und wurden vom kommenden Osterfest überrascht: wie in Franken die Osterbrunnen, waren hier die Bäume an einer Rastanlage mit bunten Ostereiern und Osterhasen geschmückt. Entlang des Höhenrückens wurde dann Richtung Ausgangspunkt gelaufen und die dritthöchste Erhebung des Odenwaldes, der 593 m hohe Hardberg passiert. Der hier stehende 135 m hohe Sendemast des Hessischen Rundfunks ist weithin sichtbar und dient als guter Orientierungspunkt. Bevor der Parkplatz am Bürgerhaus Siedelsbrunn wieder erreicht wurde, konnten die Außenanlagen des buddhistischen Klosters „Buddhas Weg“ bestaunt werden. Der Dank der Wandergruppe galt den Wanderführern Ingrid und Alex Höckel, die diese Tagestour bestens vorbereitet hatten. Nach kurzer Autofahrt erreichte man dann ein benachbartes Gasthaus zur verdienten Schlussrast.

 


 

13. April 2022

 

Einblick in die Welt der Honigproduzenten

OWK Nieder-Ramstadt besichtigt Lehrbienenstand

 

Mit 19 Teilnehmern besuchte die Ortsgruppe Nieder-Ramstadt des Odenwaldklubs den Lehrbienenstand des Bienenzuchtvereins Roßdorf und Umgebung e.V. , um sich über die Arbeit eines Imkers zu informieren. Die Herren Maiwald und Hofmann erklärten den Besuchern zunächst im Freigelände die im Laufe des Jahres anfallenden Arbeiten. Um die Bienen mit Nektar zu versorgen, wurden mehrere Obstbäume gepflanzt und ein Blumenfeld angelegt. Ursprünglich lebten die Bienen in natürlichen Baumhöhlen im Wald. Seit einiger Zeit gibt es hier mehrere Klotzbeuten, die aus ausgehöhlten Baumstämmen bestehen. Durch ein Plexiglasfenster wird gezeigt, wie Bienen unter natürlichen Bedingungen leben. Eine von den Imkern selbst erbaute Hütte ist Zentrum ihrer Vereinsaktivitäten. Hier finden regelmäßig Gesprächsrunden für Neuimker statt und Besucher werden auf dem Lehrbienenstand mit allem Wissenswertem über Bienenzucht bekannt gemacht. Ein Bienenvolk besteht aus einer Königin, 500 – 1200 männlichen Bienen, den Drohnen, und etwa 30000 – 60000 Arbeiterinnen. Neben Honig produzieren Bienen noch weitere Produkte wie Bienenwachs, Blütenpollen, Propolis und Gelée Royale. Honig wird u.a. als Hausmittel verwendet und hilft bei Halsschmerzen und zur Heilung von Schnittwunden. Bei den Honigsorten wird unter Blütenhonig und Waldhonig unterschieden. Eine Verkostung des produzierten Blütenhonigs auf Brötchenhälften fand selbstverständlich auch statt und wurde von den Teilnehmern genossen. Angrenzend an das Vereinsgelände wurde parallel zur vorbeiführenden B 26 ein Bienenlehrpfad errichtet. Auf Schautafeln haben die Mitglieder Erstaunliches über Bienen zusammengetragen, so dass jeder Vorbeigehende sich einen Einblick in die spannende Welt der Bienen machen kann. Nach zwei Stunden verabschiedeten sich die Wanderer und dankten den Vertretern des Bienenzuchtvereins mit einem Präsent. Gleichzeitig ging der Dank auch an Anni und Robert Nordmann, selbst Hobby-Imker, für die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung. Anschließend ging es zur Fischerhütte, bevor von dort aus der Rückweg nach Nieder-Ramstadt angetreten wurde.


 

24. April 2022

 

Wandern in der Heimat

OWK Nieder-Ramstadt wandert durch das Fürstenlager

 

In der gefährlichsten Zeit des Jahres begaben sich die Dienstagswanderer des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt auf Tour durchs Fürstenlager bei Bensheim –Auerbach: Sie fürchteten nicht den Frühling, in dem die Bäume ausschlagen, der Salat schießt und der Rasen gesprengt wird! Bei herrlichstem Wanderwetter durchstreiften sie die ehemalige ländliche Sommerresidenz der Darmstädter Landgrafen, die um eine im Jahr 1738 entdeckte Heilquelle, den Gesundbrunnen, im schlichten Barockstil erbaut wurde. Am Übergang von Parklandschaft und Wald liegt abgeschieden die Eremitage. Sie wurde in Form einer Kapelle mit Apsis und Glockenturm im östlichen Parkteil errichtet und diente dem Adel als Rückzugsort in die Einsamkeit der Natur. Das Bauwerk ist mit Rinde verkleidet, die Fenster sind mit Birkenholz dargestellt und das Dach ist mit Schilfrohr gedeckt. Eine historisch belegte Einsiedelei hat es aber nie gegeben. Hier entstand jedoch die von Ernst Pasqué geschriebene Erzählung mit wahrem Hintergrund „Es steht ein Baum im Odenwald“. Ein Mädchen aus Gras-Ellenbach mit Namen Lina verirrte sich auf dem Weg nach Darmstadt und traf an diesem Rindenhäuschen auf einen Jungen namens Fritz, der sie dann zu ihrer Patentante nach Griesheim begleitete. Erst später stellte sich heraus, dass es sich um Prinz Friedrich August, den einstigen Landgrafen von Hessen, gehandelt hat. Es kam, wie es kommen musste: die Beiden heirateten und aus dem Odenwälder Mädchen Karolina Seitz wurde die Prinzessin Karolina von Friedrich. Nach beider Tod wurde in Griesheim ein Denkmal in Form eines Grabgewölbes errichtet, das noch heute auf dem Friedhof um die Kirche zu finden ist. Der weitere Wanderweg führte dann auf die Höhe zur Ludwigslinde. Von hier aus geht der Blick vom Schönberger Schloss zur Starkenburg und über den Weinberg Schönberger Herrenwingert bis in die Rheinebene. Vorbei am Freundschaftstempel führt der Abstieg über die Herrenwiese zur Lindenallee und durch das „Dörfchen“ zurück zum Parkplatz bzw. direkt zur Schlussrast nach Auerbach, wo den beiden Wanderführerinnen Gisela Feick und Betty Hnyk herzlichst gedankt wurde.

 






 

Jahresrückblick 2021

 

22. Juni 2021

 

Es geht wieder los!

OWK Nieder-Ramstadt eröffnet Wandersaison

 

Mitglieder des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt „scharrten lange mit den Hufen“ und freuen sich jetzt, wieder Gruppenwanderungen zu unternehmen. Das gemeinsame Wandern ist schließlich der Kern ihres Vereinslebens. Die erste Tour führte sie nach langer Pause zum Reinheimer Teich. Nach Ankunft am Bahnhof Reinheim erklärte Wanderführer Robert Nordmann als ehemaliger „Eisebähner“ den Wanderern die Unterschiede zwischen einem Bahnhof, einem Haltepunkt und einem Bahnknotenpunkt. Was es alles gibt! Vorbei am Feuerwehrgerätehaus führte die Wanderung auf der früheren Trasse der Rodgaubahn direkt zum Reinheimer Teich. Den Teilnehmern war bis dahin von der Existenz dieser Eisenbahn, die bis in die 1960er Jahre von Reinheim über Dieburg nach Offenbach verkehrte, nichts mehr bekannt. Malerisch in der Gersprenzaue zwischen Spachbrücken und Habitzheim liegt das seit 1975 als Naturschutzgebiet ausgewiesene Gelände Reinheimer Teiche. Heute ist es Bestandteil des FFH-Gebietes „Untere Gersprenz“ und ist somit Teil des Schutzgebietes NATURA 2000. Es ist ein Refugium für durchziehende Vögel und dient gleichzeitig als Ruhe- und Rastplatz. Die Europäische Sumpfschildkröte wurde 2001 hier nachgewiesen. Jetzt ziert das Reptil das Logo der Reinheimer Teiche. Weiterhin besteht eine Graureiherkolonie, die Anzahl der Störche nimmt zu, Rot- und Schwarzmilane sind ansässig und auch der Biber hat sich angesiedelt. Auf einem Rundweg kann das Gelände erkundet werden, wobei auf mehreren Schautafeln die hier vorkommenden Tiere und Pflanzen erläutert werden. Nicht störend wirken sich die dort befindliche Kläranlage des Abwasserverbandes „Vorderer Odenwald“ sowie das Segelfluggelände aus, da der Flugbetrieb überwiegend am Wochenende stattfindet. In der Naturschutzscheune finden regelmäßig Seminare und naturkundliche Veranstaltungen für Interessierte statt. Eine Wanderung in diesem Gebiet lohnt sich für Groß und Klein zu jeder Jahreszeit. Nach einer eindrucksvollen Wanderung bedankten sich die Teilnehmer bei ihrem Wanderführer für die Vorbereitung und Durchführung dieser Tour.


 

13. Juli 2021

 

Wandern macht bewandert

OWK Nieder-Ramstadt erkundet Heppenheim

 

Drei Tore gewährten früher Einlass in die Stadt Heppenheim: Wormser Tor, Würzburger Tor und Laudenbacher Tor. Heute kann man die Stadt von allen Seiten betreten. Als gebürtiger Heppenheimer Bub ist Alfred Friedrich bestens mit der Geschichte seiner Heimatstadt vertraut. Er kennt alle Sehenswürdigkeiten und die verschlungenen Wege und Gassen rund um die Stadt. Auf dem sogenannten Eisenpfad, in dem in alter Zeit der Mühlbach floss, sind noch Reste kleiner Brücken als Zeitzeugen zu sehen. Hier wanderten die Mühltaler auf einem schmalen glitschigen Weg im Gänsemarsch zwischen Schlossberg und Altstadt zur Siegfriedstraße, wo sich entlang des Stadtbaches mehrere Mühlen befanden. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Tugersmühle, früher Mahlmühle – später Teigwarenfabrik, sowie der Schindersburg, dem Wohnhaus eines wohlhabenden Müllers und der Stadtmühle geschenkt. Schautafeln an den Gebäuden erläuterten die jeweiligen historischen Daten. Nach Überqueren der Bundesstraße kamen die Wanderer am Gemeindekarzer, einer ehemaligen Arrestzelle für über die Stränge geschlagenen Schüler und Studenten, vorbei und gelangten durch die Schunkengasse in die malerische Altstadt zum Marktplatz mit prachtvollen Bürgerhäusern, dem Rathaus, der Liebig-Apotheke und dem Marktbrunnen mit der Mariensäule. Auch der katholische Pfarrkirche, dem „Dom der Bergstraße“, wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Starkenburg wurde diesmal nur aus der Ferne betrachtet. Heppenheim zu verlassen, ohne ein gemütliches Weinlokal aufgesucht und einen „Bergsträßer“ getrunken zu haben, wäre gefrevelt. Der alte Gasthof „Zum halben Mond“ hat schon immer viele berühmte Gäste gesehen. So ist es kein Wunder, dass auch die Nieder-Ramstädter hier Schlussrast machten, bevor sie den kurzen Weg zum Bahnhof und damit ihre Heimreise antraten. Fazit der Wanderung: Wenn man die Augen offenhält, wird man beim Wandern immer ein bißchen klüger. Dem Wanderführer Alfred Friedrich, der sich mit der Vorbereitung und Durchführung dieser besonderen Stadtrunde viel Mühe gemacht hat, wurde herzlich gedankt.


 

25. Juli 2021

 

Grüngürtel Frankfurt

OWK Nieder-Ramstadt wandert zu Brunnen, Bächen  und Teichen

 

Ausgehend vom Bahnhof Frankfurt-Louisa wanderten 20 Personen quer durch den Frankfurter Stadtwald zum neu errichteten Goetheturm. Erstes Anlaufziel war die sagenumwobene Quelle des Königsbrünnchens nahe der Oberschweinstiege. Hier haben sich einst die Sachsenhäuser ihren Labetrank geholt. Die im Wasser liegenden Steine zeigten deutlich eine rötliche Verfärbung, was auf eisenhaltiges Wasser hinwies. Entlang des Königsbaches war dann in kurzer Zeit der Jacobiweiher erreicht. Hier und an weiteren Strecken des Grüngürtelweges konnten an den Bäumen einige der vom Frankfurter Künstler F. K. Wächter geschaffene Exponate wie der Pinkelbaum, eine Eule im Norwegerpullover und der Monsterspecht bewundert werden. Vorbei am Vogelschutzgehölz „Grastränke“ kam bald der weit abseits gelegene Maunzenweiher in Sicht. Hier haben früher die Oberräder Töpfer den Ton für ihr Handwerk gewonnen. Hans Bernhard Jacobi, seinerzeit Leiter des Forstamtes Frankfurt, hatte ein Faible für Teiche. Er schuf nicht nur den nach ihm benannten Jacobiweiher, den die Frankfurter liebevoll Vierwaldstätter See nennen, sondern sorgte auch dafür, dass aus der vollgelaufenen Lehmgrube zwischen Oberrad und Offenbach ein vorzeigbarer Teich wurde. Der Name Maunzenweiher weist auf die Existenz der damals im Stadtwald heimischen Wildkatzen hin. Bald wurde der Grüngürtel verlassen und Richtung Goetheturm gewandert. 2017 wurde der Goetheturm aus dem Jahr 1931 von Unbekannten abgefackelt und ist bis auf die Fundamente niedergebrannt. Mit Hilfe großzügiger Spenden der Frankfurter Bevölkerung und der ausgezahlten Versicherungssumme ist es gelungen, den Turm innerhalb von drei Jahren wieder im selben Stil aufzubauen. Mit 43 m Höhe ist es der höchste hölzerne Turm in Hessen und bietet wieder einen herrlichen Rundblick über die gesamte Stadt und den Stadtwald, die „grüne Lunge“ der Mainmetropole. Jetzt konnten die Wanderer auf dem Gelände rund um den Turm verweilen, bevor es mit Bus und Bahn wieder zurück nach Nieder-Ramstadt ging. Eine schöne Wanderung mit vielen neuen Eindrücken war zu Ende. Danke an die Wanderführer und Organisatoren Inge und Wilfried Plößer!


 

17. August 2021 

 

Aus der Ebene in den Urwald

OWK Nieder-Ramstadt am Fabiennesteig

 

Die Wanderung begann am Oberwaldhaus. Über die Steinbrückerteichschneise führte der Weg zum Jagdschloss Kranichstein und weiter entlang der Feldschneise mit den jeweiligen Jahresbäumen in den Arheilger Forst. Inmitten eines Naturschutzgebietes versteckt, liegt der romantische Dianateich, dessen Wasser größtenteils mit Wasserlinsen bedeckt ist, am Wegrand. Zusammen mit dem nicht weit entfernten, neu hergerichteten Rokokoschlösschen Dianaburg handelte es sich hier um das Lieblingsrevier des Jagdlandgrafen Ludwig VIII, der zum Leidwesen der Bauern der Parforcejagd frönte. Heute ist die Dianaburg eine Außenstelle des Darmstädter Standesamtes. Nächstes Ziel war der „Fabiennesteig“, benannt nach dem Herbststurm Fabienne und  vom Forst als Erlebnispfad angelegt. Die umgestürzten Bäume liegen heute noch genauso da, wie sie im September 2018 umgefallen sind. Riesige Wurzelteller ragen in die Höhe. Mit Kletterhilfen wie Trittstufen und mit Seilen gesichert, kann auf eigene Faust der Pfad erkundet werden. An sieben Stationen wird auf Schautafeln die Funktion des Waldes erläutert und man erkennt, wie die Natur sich aus eigener Kraft wieder erholt. Etwas Geschicklichkeit beim Klettern über Baumstümpfe, bemooste Äste und umgestürzte Bäume ist schon erforderlich. Die Besucher jedoch sind glücklich, wenn sie den 800 m langen Pfad schadlos überstanden haben und sich zur Schlussrast in das wunderschön gelegene Ausflugslokal „Kalkofen“, das etwas außerhalb von Arheilgen inmitten von Feldern und Wiesen liegt, begeben können. Hier erfreuten sich die Gäste nicht nur an rustikalen Speisen und Getränken, sondern auch an diversen Tieren wie Pfauen, Papageien und Damwild.  Nach erfolgter Stärkung wird dann von den 18 Wanderern der Rückweg parallel zum ehemaligen Rangierbahnhof Kranichstein angetreten. Straßenbahn und Omnibus bringen die Wanderer wieder zurück nach Mühltal. Für die schön ausgesuchte Wegstrecke und interessanten Erläuterungen erhielten die Wanderbegleiterinnen Heide Götz und Inge Schneider-Plößer großes Lob der Teilnehmer.

 


 

21. August 2021

 

Mitgliederversammlung und Wandererehrungen

OWK Nieder-Ramstadt blickt auf das Jahr 2020 zurück

 

Corona bedingt fand dieses Jahr die Mitgliederversammlung des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt nicht zu Jahresbeginn, sondern erst im September statt. Die Vorsitzende der Ortsgruppe, Inge Schneider-Plößer, konnte rund ein Drittel der Mitglieder begrüßen. Sodann folgte das Totengedenken für die im Jahr 2020 verstorbenen Mitglieder Hildegard Löbel, Doris Müller, Peter Werner, Gerhard Hinkel und Friedel Kehr. Nach dem abgegebenen Jahresbericht der Vorsitzenden sprach Wanderwart Klaus Frank die durchgeführten Wanderungen an und verwies darauf, dass anstatt der geplanten 29 Aktivitäten lediglich neun Wanderungen durchgeführt werden konnten. Es folgte der Bericht des Rechners, den Harald Zeitz in Vertretung des sich im Urlaub befindlichen Rechners Werner Kringel, vorlas. Tammo Rohlfs und Erwin Feick hatten die Kasse geprüft und bestätigten eine ordnungsgemäße Kassenführung, so dass anschließend sowohl Rechner als auch der Vorstand einstimmig durch die Versammlung Entlastung erfuhren. Rechner Werner Kringel und Beisitzerin Gisela Feick gaben aus persönlichen Gründen ihre Vorstandsämter auf. Die Vorsitzende dankte den Ausgeschiedenen für ihre geleistete Vorstandsarbeit Aus den Reihen der Mitglieder wurde Elisabeth Hnyk als neue Rechnerin vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Auf die Wahl eines neuen Beisitzers wurde verzichtet, da bereits zwei Beisitzer im Vorstand vertreten sind. Neben dem bisherigen Amtsinhaber Erwin Feick wählte die Versammlung Wilhelm Schulenberg zum Kassenprüfer, so dass der Ortsgruppenvorstand wieder vollständig besetzt ist. Im Anschluss an die Versammlung wurden langjährige Mitglieder für ihre Treue zum Odenwaldklub geehrt. 25 Jahre: Hildegard Sorg, Irma Scharnke, Liesel und Manfred Jockwig. 30 Jahre: Erika und Erich Schlenker, 50 Jahre: Karin Petry-Lohpens, 60 Jahre: Christa Prutek und 70 Jahre: Hans-Arthur Walter. Die Geehrten erhielten neben einer Urkunde und der Anstecknadel ein Blumenpräsent überreicht. Insgesamt zwanzig Wanderer erreichten die Mindestpunktzahl für eine Wanderauszeichnung, darunter sechs Personen zum ersten mal. Ein Wanderfreund erhielt bereits zum 47. Mal diese Auszeichnung! Rückblickend kann man erkennen, dass der Odenwaldklub viel herumgekommen ist und es viel zu sehen und zu erleben gab. Hoffentlich geht das noch viele Jahre so weiter, denn Wandern liegt bekanntermaßen voll im Trend und gehört zu den angenehmsten Möglichkeiten, etwas für die Gesundheit zu tun!

 


 

05. September 2021

 

Wild, Wald und Wasser

OWK Nieder-Ramstadt wanderte bei Erbach

 

Die Wanderung begann am Erbacher Bahnhof und führte über die Bahnstrasse in den Brudergrund. Hier soll einst ein Einsiedler („Bruder“) gelebt haben, der dem Tal seinen Namen gegeben hat. Am Eingang des Brudergrundes wurde an der Kapellenruine „Not Gottes“ eine kurze Pause eingelegt und Einzelheiten über die geschichtliche Entwicklung dieser ältesten gottesdienstlichen Stätte Erbachs erläutert. Im Mittelalter war hier eine Wallfahrtsstätte. Die Grundmauern der im 15. Jahrhundert verfallenen Kapelle wurden erstmals 1881 freigelegt. 1905 wurde das Kruzifix errichtet und am Himmelfahrtstag der erste Waldgottesdienst gefeiert. Der Wanderweg führte nun am östlichen Hang eines Wildgeheges aufwärts Richtung Roßbach. Dieser Wildpark ist als Naherholungsgebiet der Stadt Erbach angelegt und beherbergt Rotwild, Damwild und Mufflons. Neugierige Blicke begleiteten die Wanderer. Die Tiere sind an Besucher gewöhnt und lassen sich ganz aus der Bähe betrachten. Das sanft plätschernde Wasser des Roßbaches, der durch das Gehege fließt und das Zwitschern der Vögel waren an diesem Sonntagmorgen Balsam für die Seele. Weiter ging es zum ehemaligen Naturdenkmal „Kreuzeiche“ und über einen Verbindungsweg hinab ins Tal des Silberbrünnchens, das am Grenzweg zwischen Michelstadt und Erbach liegt. Das Wasser dieses Brunnens entspringt einer Tümpelquelle, wobei der Quelltopf von unten her mit Wasser gefüllt wird und der Wasseraustritt vollkommen natürlich erfolgt. Der Quelltopf ist lediglich mit einer Lage Sandsteine eingefasst und so gegen Trittschäden und Verunreinigungen geschützt. Vorbei an alten Grenzsteinen aus dem Jahr 1544 mit den Initialen „E“ (für Eberhard) und „G“ (für Georg), zweier Grafenbrüder, die sich die Grafschaft Erbach nutzungsrechtlich geteilt hatten. Auch der jetzt folgende weitere Weg zur Sophienhöhe führte ausschließlich durch Hochwald, was bei den sommerlichen Temperaturen als sehr angenehm empfunden wurde. An der Sophienhöhe wurde das herrliche Panorama zwischen Michelstadt und Erbach genossen. Zu Ehren der Gräfin Anna Sophie zu Erbach-Erbach wurde hier ein kleiner klassizistischer Tempel errichtet. Auch der Aussiedlerhof mit einer mächtigen einzelnstehenden Eiche am Waldrand erinnert an die beliebte Gräfin. Von hier aus ging es durch das Neubaugebiet mit seinen markanten Villen zurück in die Erbacher Altstadt, um wieder mit dem Zug Richtung Mühltal zu fahren. Ein schöner Wandertag war zu Ende. Danke den beiden Wanderführern Brigitte und Harald Zeitz.

 


 

24. Oktober 2021

 

Auf den Spuren von Carl Weyprecht

OWK Nieder-Ramstadt wandert bei Bad König

 

So hieß es im Wanderplan und in den örtlichen Aushangkästen. Der Carl-Weyprecht-Weg ist mit dem Prädikat „Qualitätsweg Wanderbarer Odenwald“ ausgezeichnet und durchgehend mit der weißen Markierung „BK 2“ markiert. Das war die Theorie. Die Praxis jedoch sah anders aus, der Weg ist aufgelassen, die Markierung getilgt und auf der Wanderkarte nicht mehr eingezeichnet. Er hat das gleiche Schicksal erlitten wie der „Mühlenweg“ in Mühltal. Von heute auf morgen verschwunden, ohne jeglichen Hinweis. Doch Renate und Tammo Rohlfs, die Wanderführer des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt wussten sich zu helfen. Kurzerhand wählten sie eine Wanderung „Rund um Fürstengrund“ als Alternativstrecke. Ausgangspunkt für diese Tour  ist der Bahnhof in Bad König. Vorbei an der Odenwaldtherme folgen wir der Markierung „S 1“ in nördlicher Richtung. Durch Wiesen und Felder führt der Weg zügig bergan. Bei strahlend blauem Himmel und ungewöhnlicher Kälte erreichen wir nach 1 ½ Stunde die Karl-Schäfer-Schutzhütte; hier befindet sich ein schöner Rastplatz zum Einnehmen der Rucksackverpflegung. Wir genießen ein traumhaftes Landschaftspanorama von der Mossauer Höhe bis hin zur Böllsteiner Höhe, dazwischen fällt der Blick auf den Ortsteil Fürstengrund und die Kurstadt Bad König. Ein schmaler Wanderpfad bringt nun die 23 Wanderer im großen Bogen zur Wörther Straße und auf wiederum aussichtsreichem Weg mit Blick in das Kimbachtal und zum großen Schornstein bei den Drei-Mühlen hinab nach Bad König. Bei den ersten Häusern geht es nochmal kurz bergauf zum örtlichen Friedhof. Hier hat der am 29.5.1881 gestorbene Polarforscher Carl Weyprecht in einem Ehrengrab seine letzte Ruhe gefunden. Ein kleiner Weg entlang des Kimbaches bringt die Wanderer nun zum Bad Königer Schloss in die Innenstadt. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit zur urigen Gaststätte „Pferdestall“, wo ein herrlicher Wandertag bei Odenwälder Spezialitäten seinen Abschluss findet, bevor die Heimfahrt mit dem Zug angetreten wird. Danke an Petrus und die Wanderführer, die uns zu einem herrlichen Tag verholfen haben.

 


 

09. November 2021

 

Wo einst wilde Leute hausten

OWK Nieder-Ramstadt wanderte zum Wildfrauhaus

 

Die November-Tour des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt führte 26 Wanderer nach Lützelbach am Fuß der Neunkircher Höhe. Dieser Ort ist einer von 11 Ortsteilen der Gemeinde Modautal. Dort findet sich das Naturdenkmal „Wildfrauhaus“, eine sagenumwobene wildromantische Felsgruppe, die 2020 als GEOTOP des Jahres ausgezeichnet wurde. Leider musste die für damals geplante Wanderung coronabedingt ausfallen. Es handelt sich hier um eine Gruppe hochaufgetürmter Felsen, die einsam im Wald liegen, so dass man schon verstehen kann, wieso sie als „Haus“ bezeichnet werden. Selbstverständlich rankt sich auch eine Sage um diese Steinformation. Hier wohnten einst zwei wilde Menschen, ein Mann und eine Frau, die viele Leute kuriert haben sollen. Als einmal der Mann gefangen  genommen wurde, rief ihm sein Weib nach: „Sag alles, nur nicht, wozu die wilden Selben gut sind“. Als wilde Selbe wurde der Salbei, eine wichtige Heilpflanze, bezeichnet. Diese „wilden Leute“, egal ob Frau oder Mann, eigneten sich sehr häufig ein fundiertes Wissen über Heilkräuter an, was sie zu begehrten Kräuterfrauen machte. Derart verwunschene Orte mitten im Wald regten die Phantasien der Besucher an. So ist es kein Wunder, dass es allein im Odenwald zwölf Orte gibt, die mit „wilden Weibern“ in Verbindung stehen und von diversen Sagen umrankt sind. Bei Laudenau zwischen Rodenstein und der Freiheit sind sie ebenso zu finden wie auch auf der Tromm. Die wilde Frau bei Lützelbach soll ihren Keller unter einem gewaltigen Granitblock gehabt haben, der 1917 durch den Odenwaldklub mit einer Inschrift zum 25-jährigen Regierungsjubiläum des Großherzogs versehen wurde und seitdem als „Ernst-Ludwig-Felsen“ bezeichnet wird. Nach einem von Jakob Maul aus Klein-Bieberau verfassten Gedicht über das Wildfrauhaus, das im Dezember 1949 in der OWK-Zeitschrift „Unter der Dorflinde“ veröffentlicht und von Harald Zeitz vorgetragen wurde, schloss sich eine zweistündige Wanderung rund um die geheimnisvollen Felsgebilde an. Alle Wanderer genossen einen wunderschönen Herbsttag und dankten der Wanderführung für dieses, ihnen bisher weitgehend unbekannte Wanderziel. Das Lützelbacher  Wildfrauhaus entstand durch eine Wollsackverwitterung, bei der sich abgerundete Granitsteinblöcke bildeten. Einzelheiten sind der dort stehenden Geotop-Schautafel zu entnehmen. Also nichts wie hin!

 


 

21. November 2021

 

Wanderung in die Vergangenheit

OWK Nieder-Ramstadt wandert wie vor 70 Jahren

 

Die meteorologischen Bedingungen waren wie 1951: es war trübe und bedeckt, zudem begann es zum Ende der Wanderung hin leicht zu regnen. Ungeachtet der Wetterbedingungen trafen sich 22 Wanderer, davon zwei im Look der 1950er Jahre in Knickerbocker und Tiroler Hut sowie Kostümrock und Handtasche zur Wanderung in die Vergangenheit. Nach der Begrüßung erfolgte eine informative Einstimmung auf die Gegebenheiten des Jahres 1951. Entsprechend der Angaben im Wanderbericht vom 18.11.1951 wurde über die Bachgasse zum damaligen Ausgangspunkt der Wanderung, der Anstaltsmühle, gewandert. Das Ende des Mühlenbetriebes dieser Mühle erfolgte durch einen Großbrand im Jahre 1973. Das Anwesen wurde daraufhin abgerissen; derzeit entstehen hier in den „Mühlengärten“ neue Einfamilienhäuser. Der historischen Route folgend, führte der Weg zur Nieder-Beerbacher Straße, vorbei am Feuerwehrgerätehaus, durch die

B 426-Unterführung, am Sonnenhof vorbei bis zur Peter-Jährling-Schutzhütte am Boschel. All diese Bauwerke waren im Jahr 1951 noch nicht vorhanden. Der Sonnenhof der NRD wurde erst 1973 gebaut und die OWK-Schutzhütte von den Mitgliedern der Ortsgruppe 1972 errichtet. Ausgestattet mit wissenswerten Fakten aus damaliger Zeit verlief der weitere Weg bergauf zur Anhöhe zwischen Gickelsberg und Kirschberg oberhalb von Waschenbach und zum dortigen Friedhof.  Aufgrund der nicht mehr vorhandenen Wanderwege aus dem Jahr 1951 ging es nun durch den der Gemeinde Nieder-Ramstadt angegliederten Ortsteil Waschenbach zum ehemaligen Steinbruch in der Geberstadt. Anhand privater Zeitzeugendokumente erhielten die Wanderer einen interessanten Einblick zur Industriegeschichte des Steinbruchs. Weiter bergauf am sogenannten „ Vogelbrünnchen“ vorbei gelangte die Wandergruppe anschließend  zu den beiden Windenergieanlagen am Silberberg. Diese Bauwerke der Neuzeit, von denen heute niemand abzuschätzen vermag, ob sie in sieben Jahrzehnten noch bestehen werden, wurden vorgestellt und in Augenschein genommen. Zurück nach Nieder-Ramstadt gelangte die Gruppe über gut ausgebaute breite Feldwege, welche nicht mit denen aus dem Jahr 1951 vergleichbar gewesen sein dürften. Auch beim Thema Leistungsvermögen der damaligen Mitwanderer fällt eine größere Kondition ins Auge: für ein paar „Unentwegte“ wurde seinerzeit ein kleiner Abstecher über den Finsterhöllenberg zum nördlichen Lohberg gewandert, wogegen die restlichen Wanderer über die Schmallert nach Hause „krochen“. 1951 gab es keine Corona-Pandemie und keine Beschränkungen. Die damalige Schlussrast im Café Angermann in der Friedrichstraße 25, das heute nicht mehr existiert, bildete für einen Teil der Gruppe den sonntäglichen Abschluss der Wanderung, während andere den heimischen Kaffeetisch bevorzugten. Inge Schneider-Plößer sprach den Dank an den Wanderführer Klaus Frank aus, der viel Recherchearbeit getrieben hat und gekonnt Vergangenheit und Gegenwart miteinander verglich.

 


 

04. Dezember 2021 

 

Mein Freund, der Baum

OWK Nieder-Ramstadt unternimmt Waldbegehung mit dem Förster

 

Fast 30 Wanderer des Odenwaldklubs Nieder-Ramstadt trafen sich zum Waldrundgang an der Revierförsterei Emmelinenhütte, wo sie von Förster Rudi Schilling begrüßt wurden. Er berichtete zunächst über das Forsthaus, das einst von Großherzogin Wilhelmine Louise für eine Holzmacherfamilie erbaut wurde. Seit 35 Jahren betreut er die heutige Revierförsterei Mühltal. Er ist der Förster, der hier bisher am längsten residiert, sein Revier in-  und auswendig kennt und viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Als Förster steht er immer in der Kritik, da die Bevölkerung nicht wahrnehmen will, dass er nicht von heute auf morgen, sondern auf Jahrzehnte in die Zukunft planen muss. Er wird jedoch nicht müde zu erklären und zu überzeugen, dass der Wald neben der Erholungsfunktion schließlich auch eine Nutzfunktion hat. Der Rundgang führte über den Papiermüllerweg und Ludwigsweg rund um den Bordenberg zum Waltersteich und über den Weinweg zurück zum Forsthaus. An besonders ausgesuchten Stellen berichtete der Förster über das „Durchforsten“ und „ Verjüngen“ der Bäume zur Erhaltung und Pflege des Waldes und zu seiner Bewirtschaftung. Vielfach seien die Auslichtungen des Waldes durch Windbruch und Stürme, jedoch nicht durch „wildes“ Baumfällen entstanden. Auch die extreme Trockenheit der letzten Jahre setzte überwiegend der Buche zu, indem die Baumkrone unkontrolliert abgebrochen ist und vom Forst steuernd eingegriffen werden musste, um Waldbesucher zu schützen. Zweimal jährlich wird im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht die Standfestigkeit der Bäume überprüft und dokumentiert. Besonders sogenannte „Orte des Verweilens“, wie Ruhebänke, Schutzhütten, Brunnenanlagen und Waldrandbebauung seien hier ins Blickfeld zu nehmen. Um den Wald widerstandsfähiger zu machen, setze man in Zukunft vermehrt auf die Anpflanzung anderer Baumarten, wie Linden, Douglasien und Robinien. Man darf aber auch die Selbstheilungskräfte der Natur nicht unterschätzen! Bei all seinen Ausführungen wurde deutlich, dass Rudi Schilling Förster aus Leidenschaft ist und seine Arbeit nicht als Beruf, sondern als Berufung ansieht. Wieder an der Emmelinenhütte angekommen, dankten die Wanderer dem Förster für die verständliche Darstellung seines Arbeitsbereiches sowie die Zusage, auch im wohlverdienten Ruhestand auf Wunsch eine Waldbegehung vorzunehmen. Gleichzeitig gedankt wurde auch Robert Nordmann für die Vorbereitungen des Rundganges sowie seiner Frau Anni, die die Wanderfreunde mit einer „Unterwegsverpflegungsstation“ überrascht hat. „Mein Freund, der Baum, ist tot“, sang Alexandra einst 1968, aber noch heute haben wir viele stattliche Bäume in unseren Wäldern stehen!